Annäherung an die inneren Bilder

Bedeutet Fotografie für mich Definition meines Verhältnisses zur Umwelt, so beschäftigen mich besonders die Existenzbedingungen des Menschen in der Großstadt.
Mit der zunehmenden Gewißheit jedoch, der Wirklichkeit mit den Möglichkeiten der direkten, erzählenden Abbildung nicht gerecht zu werden, wächst die Suche nach einem Weg, jenes individuelle Gefühl gegenüber der Realität auszudrücken, das sowohl Zeugnis als auch Erinnerung, Assoziation, Irritation einschließt - so, wie auch die Wahrnehmung allgemein Außenreize nicht voraussetzungslos aufnimmt, sondern gefiltert durch das jeweilige psychische System, seine Anlagen, Erfahrungen, Normen.
Ich unternehme also den Versuch, das zwingend erscheinende Gebundensein des Fotografen an die Sujets der Außenwelt teilweise aufzuheben, aus ihren Details eine neue autarke Anschauungswelt zu formen. Das beinhaltet Experimente zur Überlagerung verschiedener Raum- und Zeitebenen (mit Hilfe von Techniken wie Projektion, Reflexion, Langzeitbelichtung usw.), wie sie in unserem Bewußtsein als Selbstverständlichkeit existieren.
Es geht mir jedoch nicht um eine reine Formalisierung des fotografischen Bildes, auch nicht um letztlich rein grafische Effekte, sondern um die Synthese dieser vorwiegend visionären Formen mit realen und existenzbestimmenden Themen.
1987