DIE SUMME DER TEILE
Katalogtext 2014

Rückwärts betrachtet, fügen die Dinge sich manchmal zu einem Sinn, von dem man nichts ahnte.
Ende der Achtziger- bis Mitte der Neunziger- Jahre habe ich kaum Fotos gemacht. Zu groß war der Unterschied zu der Wahrnehmungsweise des filmischen Arbeitens, das mich voll in Bann hielt. Die Ausdrucksmöglichkeiten - Bilder in Bewegung, erweitert duch Montage und Tongestaltung - schienen mir um so vieles reicher. Zudem ist ein völlig anderer, auf den Prozess und nicht auf den gefrorenen Moment gerichteter Blick vonnöten.
Dann jedoch reduzierten sich die Potenziale des freien Filmemachens rapide, und ich besann mich wieder auf das statische Bild. Seit langem war ich zwischen reiner Form und Narration herumbalanciert. Mir schien ein einzelnes Bild nicht mehr aussagekräftig genug für die Dinge der Welt, die sich immer mehr fragmentierten, immer unübersichtlicher, ambivalenter wurden.
Das war der Anfang des Arbeitens in fotografischen Komplexen. Zuerst setzte ich zwei Bilder in Beziehung, dann drei, dann entstanden ganze Tableaus. Faszinierend war und ist, die inhaltliche wie die ästhetische Wirkung auszuloten, die verschiedene Konstellationen erzeugen. Die Vielfalt ist so verwirrend wie das wahre Leben, permanent sind Entscheidungen gefordert. Eine wunderbare Rolle dabei spielt der Zufall, der plötzliche Assoziationen in Gang setzt. Es ist auch ein Spiel. Und ein Kreis, der sich schließt.