Insel - Gespräche vor blühender Landschaft

faro-film 2005, mini DV, 102 Min.
Produktion, Buch, Regie, Kamera, Schnitt

Der Film zeichnet das Zustandsbild eines definierten kleinen Teils der ostdeutschen Gesellschaft – in diesem Fall einiger Dörfer nahe Teterow - in dieser Zeit der extremen Umbrüche. So genau wie möglich, und unter dem Aspekt einer nachvollziehbaren, ganz persönlichen Alternative zu den Visionen des Absturzes. Diese Alternative heißt Zuwendung.
Vor dreißig Jahren kam Jim Schütz aus Berlin in diese traumverlorene Landschaft. Und blieb. Er renovierte ein verfallendes Haus, gründete eine Familie und verlor beides während der Wende. Er ging um den Dorfteich herum und baute sich am anderen Ufer sein neues Haus aus Lehm. Das Leben bestritt er früher mit Schafzucht und fotografischen Arbeiten, später mit Holzobjekten. Seine Lebenshaltung und die unerschütterlich poetische Antwort auf die ökonomische Zuspitzung sind Reduzierung auf das Wesentliche und philosophische Gelassenheit. Das heißt nicht Isolation, sondern Engagement im sozialen Umfeld.
Vor zehn Jahren folgten ihm Freunde - der Holzbildhauer Wilfried Duwentester und die Familien-therapeutin Ulrike Schmidt – in eines dieser winzigen Dörfer nach. Sie bauten mit enormem Einsatz einen riesigen Schafstall zum Wohn- und Arbeitsort aus. Es sollte ein offenes Haus sein, das kulturelle Angebote macht. So wurde es zum Schnittpunkt verschiedenster Biografien, die von sozialen, emotionalen, politischen und Generationskontrasten geprägt sind. Modelle der Koexistenz im Härtetest.
Wilfried schlägt seine monumentalen Figuren aus dem Holz; es ist eine einsame Arbeit. Ulrike, generell von überbordender Kontaktfreude, arbeitet in der familiären Krisen-Intervention und ist aufs engste mit den sozialen Problemen der Region konfrontiert. Wer kann, verlässt das sinkende Schiff. Übrig bleiben beharrliche Idealisten, die Alten, die Schwachen, die Gefährdeten.
Umso größer ist die Bedeutung des privaten Gegenentwurfs: eine Insel, die sich nicht abschottet, sondern die einlädt und Zuflucht bietet. Aus diesem Grund leben in dem großen Haus auch für einige Jahre Pflegekinder, die in ihren Familien mit Alkoholismus, Gewalt, sexuellem Missbrauch konfrontiert waren, und ein Jugendlicher mit Drogenkarriere.
Der Film plädiert für Selbstbestimmung und Verantwortlichkeit. Indem er die Quellen für das private Engagement aufzuspüren versucht, macht er es beispielhaft.
Die Erzählung ist schnörkellos, fragmentarisch. Die Montage setzt auf Assoziationen, Brüche, Kontraste, durchaus wechselnde Stile und Perspektiven.



















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