Frozen margaritas

faro-film 1998/99, Hi8, Beta SP 45 Min.| Produktion, Buch, Regie, Kamera, Schnitt
Teilnahme Internat. Dokfilm-Festival Leipzig und International Documentary Filmfestival Amsterdam

Ich kann mir nicht vorstellen, daß ich jemandem von der Straße die Hand reiche und sage, okay, ich helfe dir, und dann funktioniert das nicht , und dann schmeißt man ihn wieder raus. Ich denk, was ich da erlebe - ich muß ihm einfach immer wieder vergeben. Also, ich weiß nicht, inwieweit ich da irgendwann mein Gesicht verliere und sein Chaos mein Leben überschwemmt. Ich hoffe nicht. Auszug aus einem Interview mit Dagmar Demming 1996

Dagmar Demming - deutsche Künstlerin mit Lehrauftrag am Art Center College in Pasadena - lernt 1995 auf der Straße vor ihrem Haus, wo ansonsten nur auf dem Dach geparkt wird, einen der schwarzen Obdachlosen kennen, die unter den Brücken des Los Angeles River leben. Nach und nach entwickelt sich eine Liebesbeziehung daraus. Frederick ist, wie fast alle auf der Straße, crack-abhängig. Sie darf ihn nicht ohne Begleitung ins Haus lassen. Sie tut es trotzdem, das heißt Kündigung. Die Anfangseuphorie, daß Drogen besiegbar sind, wenn man nur genug liebt, weicht einer realistischen Betrachtung. Oft auch der Wut und Verzweiflung, wenn z.B. Teile ihres Equipments verschwunden sind, als sie nach einer Reise zurückkehrt. Permanente Geldsorgen und abgebrochene Entziehungsversuche tragen das Ihre zur Zermürbung bei.
Doch Dagmar hat die Verantwortung angenommen. Wenn das Faktische zu übermächtig wird, holt sie sich Kraft im Spirituellen. Prinzipiell ist ihr jede Veränderung - auch die negative - willkommen als Zeichen des Lebendigseins. Die größte Angst ist der Stillstand.
Der Film ist aus der Nähe der Freundschaft entstanden. Er verbindet Fax -Texte von Dagmar Demming, geschrieben aus der jeweils aktuellen Situation heraus, mit nachträglich gedrehten Bildern der Schauplätze. Hinzu kommen Realszenen während zweier Besuche. Über vier Jahre hinweg verfolgt der Film die Hoffnung und den Kampf gegen die Idee eines vorgezeichneten Schicksals. Er macht Mut, nicht einfach die angebliche Aussichtslosigkeit zu akzeptieren. Leben heißt Veränderung - manchmal auch zum Guten.



















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